Für euch berichtet Falk Heidel
Der Laufsport hat ihn durchs Leben begleitet: Wolfgang Hahm kennt nicht nur die Marathon-Strecken unseres Landes. Jetzt hat der 77-jährige Genthiner den Vorsitz seines Vereins an seinen Nachfolger übergeben.
Auf der Rückseite einer Medaille aus der Sammlung von Wolfgang Hahm ist das Gesicht von Joan Bennoit aufgraviert. Die US-amerikanische Langstreckenläuferin ist die erste Olympiasiegerin im Marathonlauf. Sie gewann Gold bei der Olympiade 1984 in Los Angeles. Es gehört zur Tradition des Berlin-Marathons, auf den Finisher-Medaillen für alle Läufer eine herausragende Marathon-Persönlichkeit zu ehren. Beim 17. Berlin-Marathon war es eben jene Joan Bennoit. Dieser Marathonlauf im September ist in die Geschichte eingegangen: Die Strecke führte in einem Deutschland kurz vor der Wiedervereinigung erstmals auch über die Straßen Ostberlins und durch das Brandenburger Tor. „Es war ein sehr emotionales Erlebnis“, erinnert sich Wolfgang Hahm, „kurz vor der Einheit Deutschlands feierten 25.000 Sportler aus aller Welt diesen Tag im Laufschritt.“ Als Chef des Genthiner Laufclubs hatte Wolfgang Hahm die Reise für mehrere Genthiner Marathonläufer organisiert: „Wir waren in einer Zeit unter vier Stunden im Ziel“, sagt der Mann, der in der Genthiner Region als Fahrlehrer bekannt ist. Seine Marathon-Bestzeit liegt bei beachtlichen 3:16 Stunden.
„Der Laufsport war unser Leben. Wir haben drei-, viermal pro Woche trainiert und an den Wochenende unsere Wettkämpfe absolviert“, erzählt Hahm. Treffpunkt in Genthin - ging es für die Sportler meist in Richtung Mützel auf die Strecke. Zu den Genthiner Langstreckenläufern gehörten in den 80er Jahren Klaus-Peter Derz, Udo Taege, Michael Schwammbach oder Achim Seeger.
Den Laufclub Genthin haben die Sportler 1978 gegründet. Die Mitglieder hatten Wolfgang Hahm zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bis zum Herbst 2025 hatte er diese Funktion inne. Jetzt hat er die Verantwortung nach 47 Jahren an seinen Nachfolger Dirk Richter aus Bergzow übergeben. Zum Verein gehörten und gehören dutzende Sportler, die sich seit Anbeginn immer montags in der Sporthalle Uhlandstraße zu Gymnastik und Spielen trafen. Bis zu 40 Mitglieder aller Altersgruppen waren im Verein organisiert. Zu den Höhepunkten im Vereinsleben zählten die Teilnahmen an Rennsteig- und Harzgebirgslauf. „Oft waren auch die Familienmitglieder mit im Bus des Kraftverkehrs Genthin zu solchen Höhepunkten“, erzählt Lothar Finzelberg. Der stellvertretende Vorsitzende sagt auch: „Wolfgang Hahm ist ein Vorbild. Für seine jahrzehntelange Leitung des Vereins hat er größte Anerkennung verdient.“ Den Sprung über die Wendezeit haben die Sportler ohne Blessuren gemeistert. 1991 folgte die Eintragung ins Vereinsregister.
Unterdessen bleibt Berlin-Marathon 1990 für die Genthiner Laufsportler ein unvergessenes Erlebnis - ein emotionales Meisterstück. Die beiden Berliner Bürgermeister Walter Momper (West) und Tino Schwierzina (Ost) gaben den Startschuss für 25.000 Athleten aus 61 Ländern. Der Australier Steve Moneghetti lief als Sieger Jahres-Bestzeit. Ute Pippig siegte bei den Damen - auf der Siegerliste steht bei ihr in Klammern „Deutsche Demokratische Republik“. Gleiches trifft auf Jörg Peter und Stephan Freigang. Sie belegten die Plätze zwei und drei in Zeiten unter 2:10 Stunden. Bester westdeutscher Starter war Herbert Steffny auf Platz sieben.
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