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Trainerin Nadine Güssow zwischen Deutscher Meisterschaft und EM

Für euch berichtet Falk Heidel

 

In unserem Alpha-Interview spricht Nadine Güssow als Landesnachwuchs-Trainerin der Dressurreiter über emotionale Momente und internationale Erfolge ihrer Schützlinge bis hin zu einem Podestplatz bei den Europameisterschaften in Ungarn. Begleitet hat sie auch die jüngste Starterin der Deutschen Jugendmeisterschaften in Riesenbeck. Sie sagt: „Ohne ein engagiertes Team von Eltern, Trainern, Pferdebesitzern,Tierärzten und Hufschmieden sind die Erfolge der jungen Sportler nicht möglich.“

Alpha-Report: Frau Güssow, das vergangene Jahr war wegen Corona arm an Wettkämpfen. Dennoch hat es einige gegeben. Welche werden Ihnen als Landes-Nachwuchstrainerin besonders in Erinnerung bleiben?

Nadine Güssow: In besonderer Erinnerung bleibt mir aus dem vergangenen Jahr natürlich die Europameisterschaft der Jungen Reiter im August in Pilisjaszfalu/Ungarn. 

 

Frage: Sie haben Henriette Schmidt aus Naumburg dorthin begleitet.
Nadine Güssow:
Richtig. Henriette und Rocky waren zuvor beim Sichtungsturnier in Warendorf als Reservepaar nominiert worden. Bis zwei Tage vor der Abreise wussten wir nicht, ob wir fahren dürfen. Entsprechend  war die Vorbereitung auch mental nicht ganz einfach. Unser Plan war folgender: Wir tun einfach so, als ob wir fahren würden und bereiten Reiter, Pferd und Equipment darauf vor. Eine Woche vor Beginn der Euro hatte sich der Bundestrainer nach Rockys Trainingszustand erkundigt und darum gebeten, uns bereitzuhalten. Zwei Tage vor der Abreise kam das Ok. Für uns entfiel deshalb die Vorbereitungswoche in Warendorf, in der zusammen mit dem Bundestrainer trainiert wird und in der auch wichtige Team bildende Maßnahmen mit den Sportpsychologen erarbeitet werden. Rocky und Henriette waren aber sehr gut in Form. Wir freuten uns einfach, dass es nun wirklich los geht. Das deutsche Team holte am Dienstag die Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb. Am Mittwoch in der Einzelwertung verpasste Henriette mit Platz vier ganz knapp die Bronzemedaille. Wir konnten uns aber gar nicht ärgern. Wir haben uns einfach nur darüber gefreut, dass Rocky wieder sein Bestes gegeben hat und Henriette in ihrem ersten Jahr als Junger Reiter einen großartigen Erfolg erreichte.

 

 

Alpha-Report: Ihre insgesamt acht Sportler aus dem Landeskader haben 2020 eine hochkarätige Schleifenauswahl zusammengetragen. Über welche Ergebnisse haben Sie sich besonders gefreut, welches hat Sie am meisten überrascht?

Nadine Güssow: Ich möchte das nicht unbedingt an der Anzahl der Schleifen festmachen. Der Ritt von Malin Schoch und Faible bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Riesenbeck war einer der emotionalsten Momente für mich. Malin stellte ihre Stute so ausdrucksstark und selbstbewusst vor, dass auch der Bundestrainer auf beide aufmerksam wurde. Malin wurde von ihrer Trainerin Astrid Helene Lundgren begleitet, die beide auf den Punkt vorbereitet hatte.

 

Alpha-Report: Auch Smilla Geiss aus dem altmärkischen Lenz bei Mieste war in Riesenbeck am Start.

Nadine Güssow: Sie ist die erfolgreichste Ponyreiterin unseres Landesverbands und war die jüngste Teilnehmerin der Deutschen Jugendmeisterschaften. Smilla konnte sich in der zweiten Prüfung noch steigern und ritt unbeirrt eine sehr korrekte Aufgabe. Sie ist eine absolute Teamplayerin, die mit ihrer Fröhlichkeit unserer Mannschaft unheimlich gut tut. Smillas Eltern sind beide international erfolgreich geritten, umso schöner ist es zu sehen, mit welcher Lockerheit Smilla gefördert wird. Das finde ich sehr beeindruckend.

 

 

Alpha-Report: Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Erfolge Ihres Kaders. Während Sachsen-Anhalts Reitsport im Allgemeinen im bundesdeutschen Mittelmaß angesiedelt ist, haben einige junge Dressurreiter den Anschluss an die deutsche Spitze in Sichtweite. Wie erklären Sie sich das hohe Niveau in dieser erfreulichen Breite?

Nadine Güssow: Wir hatten auch in den vergangenen Jahren großartige Erfolge in allen Disziplinen, vom Deutschen Meister im Springen der Jungen Reiter bis hin zur Vize-Europameisterin in der Vielseitigkeit. Um im Bundes- oder Landeskader zu reiten, bedarf es ein großes Engagement der Eltern und Familien. Da kann es schon mal sein, dass ein geplanter Familienurlaub nicht stattfinden kann, weil ein Sichtungslehrgang oder ein Turnier ansteht. Unsere Kaderreiter verfügen über ein sehr gutes Management, betreffs der täglichen Trainingsarbeit. Ihnen stehen zu Hause in der täglichen Arbeit erfahrene Ausbilder zur Seite, die gegebenenfalls die Pferde mitreiten und die Reiter auf wichtigen Turnieren begleiten. Unser Landesverband unterstützt die Reiter mit Zuschüssen für den Transport oder die Unterbringung der Pferde und Reiter auf wichtigen Turnieren. Wir halten in den Wintermonaten Kaderlehrgänge ab, in denen wir uns gezielt auf die kommenden Anforderungen vorbereiten. Dressurreiten ist ein Einzelsport, aber ohne ein engagiertes Team von Eltern, Trainern, Pferdebesitzern,Tierärzten und Hufschmieden sind diese Erfolge nicht möglich.

 

 

Alpha-Report: Wie muss man sich die Trainingsarbeit bei diesen Lehrgängen vorstellen?

Nadine Güssow: Unsere Kaderlehrgänge gehen über drei Tage. Wir beginnen am Freitagnachmittag mit dem Reiten in Zweiergruppen, die Reiter arbeiten ihre Pferde selbstständig und ich verschaffe mir einen Überblick über den aktuellen Trainingszustand. Dabei besprechen wir miteinander, woran wir am Wochenende arbeiten wollen und welche Aufgaben am Sonntag geritten werden. Am Samstag stehen Einzelstunden an, in denen wir gezielt an Problemen arbeiten und die Aufgaben vorbereiten. Der Sonntag ist dem Aufgabenreiten vorbehalten, die Sportler reiten ihre Pferde selbstständig ab, danach wird die Aufgabe geritten und wir arbeiten hinterher einzelne Teile der Aufgabe noch einmal zusammen nach.

 

Alpha-Report: Welche Eigenschaften und Talente muss ein junger Sportler mitbringen, um ein erfolgreicher Dressurreiter zu werden?

Nadine Güssow: Unsere Kaderreiter sind im Sport sehr erfolgreich und das erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Eigeninitiative und Sportlichkeit, aber auch Durchsetzungsvermögen und Nervenstärke. Wir haben in unserem Kader etliche Reiter in den unterschiedlichsten Altersstufen und mit völlig verschiedenen Charakteren und Temperamenten. Aber eines verbindet sie alle miteinander: Die Liebe zu ihren Pferden.

 

 

 

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Alpha-Report: Der Landeskader besteht aus acht jungen Sportlern. Wer hat 2020 den größten Sprung nach vorn gemacht?

Nadine Güssow: Den größten Fortschritt hat in der vergangenen Saison Henriette Schmidt gemacht. Sie bestritt 2020 ihre ersten internationalen Prüfungen, Sichtungsturniere auf Bundesebene sowie die Europameisterschaft auf diesem Niveau. Der Wechsel von den Junioren zu den Jungen Reitern ist sehr schwer, weil schwierige Lektionen wie Galopp-Pirouetten und Serienwechsel hinzu kommen. Aber auch für die Pferde ist der Wechsel von der mittelschweren Klasse zur schweren Klasse sehr anspruchsvoll, umso größer ist unsere Freude darüber, dass Henriettes Hengst Rocky auch international in diesen neuen schwierigen Lektionen überzeugt.

 

Alpha-Report: Wie kommen Sie mit der schwierigen Corona-Situation klar?

Nadine Güssow: Ich hoffe, dass wir in dieser Saison so bald wie möglich zu einem geregelten Lehrgangs- und Turnierbetrieb zurückkehren können. Das Präsidium unseres Landesverbandes hat die Durchführung von Kaderlehrgängen untersagt, obwohl mit einem verkürzten Lehrgangsbetrieb und einem speziellen Hygiene-Konzept, das vom Gesundheitsamt genehmigt wurde, eine gute Grundlage von uns geschaffen wurde. Ich beziehungsweise der gesamte Dressurausschuss akzeptieren diese Entscheidung.

 

 

Alpha-Report: Starten Sie mit derselben Besetzung in die neue Saison oder sind weitere Talente in Sicht, die sich mit guten Leistungen für den Landeskader empfohlen haben?

Nadine Güssow: Dem Reitsport erging es im letzten Jahr wie allen Bereichen unseres Lebens - Sichtungen, Lehrgänge und Turniere fielen oft kurzfristig aus. Daher starten wir mit unserer bewährten Besetzung in die neue Saison. Die fehlenden Vergleichsmöglichkeiten auf den Turnieren sowie unser ausgefallener Sichtungstag im November haben den Dressurausschuss und mich dazu bewogen, keine Veränderungen vorzunehmen. International fanden eine Vielzahl an Turnieren statt. In Sachsen-Anhalt gab es vergleichsweise wenig Startmöglichkeiten für Dressurreiter. Umso erfreulicher ist es, dass auf Privatinitiative unserer Landesjugendwartin Vera Beschnidt und unseres Landestrainers-Springen David Gotzel zwei Dressurturniere in Pietzpuhl aus dem Boden gestampft wurden, auf dem auch unsere Kaderreiter verschiedene Möglichkeiten hatten, sich in FEI-Prüfungen zu zeigen. Das war sehr wichtig für unsere Reiter, um sich auf die Deutschen Jugendmeisterschaften oder auf die Europameisterschaft vorzubereiten.

 

 

Alpha-Report: Stichwort Meisterschaften. Auf welche Höhepunkte bereitet sich der Kader mittelfristig vor? Und wo rechnen Sie sich gute Chancen auf vordere Plätze aus?

Nadine Güssow: Wir haben mit der Hallen-Landesmeisterschaft Ende März  in Gänsefurth unseren ersten Saisonhöhepunkt. Wir konnten mit Familie Nettekoven einen erfahrenen Veranstalter gewinnen. Die ausgezeichneten Bedingungen und die zentrale Lage machen Gänsefurth zu einem idealen Standort. Mit Martina und Hubert Nettekoven haben wir engagierte Mitstreiter. Sie unterstützen uns seit Jahren im Jugendbereich, indem sie ihre Anlage für die Kaderlehrgänge zur Verfügung stellen sowie unsere Reiter und Pferde in dieser Zeit beherbergen und betreuen. Zeitgleich finden vom 5. bis 11. Juli in Prussendorf unsere Landesmeisterschaften und die Europameisterschaft der Jungen Reiter in Valencia statt. Ich hoffe, dass wir auf beiden Turnieren präsent sein werden. Die Deutsche Jugendmeisterschaft findet in diesem Jahr vom 9. bis 12. September in Darmstadt statt. Ich denke, dass wir unsere Quote voll ausschöpfen werden und wie im vergangenen Jahr mit vier Reitern an den Start gehen werden.

Es wäre in diesem Moment reine Spekulation, jetzt darüber zu reden wer auf diesen Turnieren die Nase vorn haben wird. Alle unsere Kaderreiter haben das Zeug dazu, an einem Turnier wie der Deutschen Jugendmeisterschaft teilzunehmen. Die Zukunftsperspektive, die Gesundheit der Pferde und eine gewisse Nervenstärke sind dafür wichtige Voraussetzungen.

 

 

Alpha-Report: Sie gehören zu den erfolgreichsten Dressurreitern in Mitteldeutschland. Wie steht es in der neuen Saison um ihre persönlichen Ambitionen?

Nadine Güssow: Auch für mich sind unsere LM in Prussendorf ein Saisonhöhepunkt , auf den ich mich freue und auch gut vorbereite. Mit Lorenzio von der ZG. Schmidt steht mir ein qualitätsvolles Dressurpferd zur Verfügung, mit dem ich schwere Prüfungen bis zu 3 Sterne S reiten kann.Auch mein Pferd Lord befindet sich auf dem Weg zur schweren Klasse. Lord ist ein erfolgreiches ehemaliges Fahrpferd, welches mit seinem Besitzer Michael Kauert Landeschampion, Landesmeister und zweimal zum Bundeschampionat im Einspänner qualifiziert war. Ich hoffe das ich mit der jetzt 6 jährigen Stute L‘Amour, aus dem Besitz der ZG Schmidt, in Nachwuchs Prüfungen ein paar Erfahrungen sammeln kann.

Mein Turnierkalender wird bestimmt von Sichtungen und der Turnierbegleitung von Henriette, nichtsdestotrotz bleibt mir genügend Zeit um mit meinen Pferden zum Training und zum Turnier zu fahren und ich freu mich sehr auf die jetzt beginnende Saison.

 

 

Alpha-Report: Wenn Sie als Landestrainerin ein Wunsch frei hätten, wie würde der lauten?

Nadine Güssow: Mein Wunsch wäre, dass wir alle gemeinsam mit unseren Familien gesund durch diese mittlerweile sehr anstrengenden, schwierigen Zeiten kommen. Ich hoffe, dass auch die Unternehmen rund um den Wirtschaftssektor Pferd genügend Motivation und Hilfe bekommen, um weiter bestehen zu können. Ich wünsche mir, dass es in Sachsen-Anhalt genügend Turnierveranstalter gibt, die trotz schwieriger Bedingungen ihre Veranstaltungen durchführen und wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können.

 

 

Das sagt Trainerin Nadine Güssow über...

…Isabelle Eulenberg: Sie ist eine sehr gefühlvolle Reiterin. Ich wünsche mir, dass sie sich selbst und ihren Pferden noch mehr zutraut. Sie ist eine ausgezeichnete Prüfungsreiterin, reitet Lektionen sehr genau.

 

…Justus Buch: Er hat einen sehr guten Draht zu seinen Pferden. Wenn er in den Prüfungen konzentriert von Punkt zu Punkt reitet, kann er noch mehr Prozente für die einzelnen Lektionen bekommen. Er hat eine schnelle Auffassungsgabe und kann Anweisungen sofort und mit viel Gefühl umsetzen.

 

…Malin Schoch: Malin und Faible sind ein sehr elegantes Paar. Sie hat ihre Stute mit ihrer Trainerin von der ersten Dressurpferde-Prüfung bis hin zur Deutschen Jugendmeisterschaft selbst ausgebildet. Wenn Malin bei allem Ehrgeiz ihre Lockerheit beibehält, kann sie es bundesweit ganz nach vorn schaffen.

 

…Smilla Johanna Geiß: Sie hat so viel Spaß mit ihren Ponys, dass es eine Freude ist, ihr zuzuschauen. Wenn sie beide Ponys mehr vor den Hilfen hat, kann sie dezenter einwirken und dann sind noch mehr Prozente von den Richtern zu erwarten. Sie ist eine energische und beherzte Reiterin.

 

…Helene Ziehn: Sie verfügt über einen ausgezeichneten Sitz und eine sehr dezente Hilfengebung. Ich wünsche mir, dass sie in den Prüfungen ihr Selbstvertrauen beibehält. Sie hat alle Fähigkeiten, die ein guter Dressurreiter braucht. Ihr stehen alle Möglichkeiten offen.

 

…Henriette Schmidt: Sie ist eine ausgezeichnete Championatsreiterin und sehr fokussiert, sobald sie im Sattel sitzt. Gerade in Mannschafts-Wettbewerben, wenn die Bundestrainer und das gesamte deutsche Team auf sie zählen, bleibt sie nervenstark und reitet mit Risiko das Beste aus ihrem Pferd heraus.

 

…Franz Otto Damm und Anna Schlöffel: Beide gehören nicht mehr zum Kader. Nach dem Verkauf seines Kaderpferdes Lifestyle widmet sich Franz Otto Damm aktuell vermehrt seiner beruflichen Ausbildung. Anna Schlöffel scheidet altersbedingt aus, sie arbeitet sich mit ihrem Kaderpferd Quintam an die U 25 Prüfungen heran.

 

 

Helene Ziehn
Helene Ziehn
Heriette Schmidt
Heriette Schmidt
Isabelle Eulenberg
Isabelle Eulenberg

Justus Buch
Justus Buch
Malin Schoch
Malin Schoch
Smilla Johanna Geiß
Smilla Johanna Geiß

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