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Eggenstedter Chordamen: Musik ist die schönste Sprache der Welt

Aus der Börde berichtet Falk Heidel

 

Musik ist die schönste Sprache der Welt! Dieses Lied von Lorenz Maierhofer gehört zum großer Repertoire des Frauenchors Eggenstedt/Seehausen und wird von den Damen gern gesungen. In ihrer 32-jährigen Geschichte haben die Chordamen mehr als 200 Lieder einstudiert. „Dazu gehören 55 Weihnachtslieder von Stille Nacht bis Leise rieselt der Schnee“, erzählt Leiterin Dana Röhr. Sie sagt auch: „Während der Coronakrise vermissen wir alle den Gesang.“ Eigentlich treffen sich die Sangesfreundinnen immer mittwochs zur Probe im Feuerwehrhaus. Hinzu kommen gerade im Advent viele Auftritte  zur besinnlichen Zeit. Dana Röhr: „Im Moment bleibt uns nur die Hoffnung auf bessere Tage, an denen die Geselligkeit wieder zurückkehren wird.“ Dann ist es auch wieder Zeit, das Eggenstedter Heimatlied zu singen. Getextet hat die fünf Strophe die frühere Sangesfreundin Waltraut Kraus.

Belege für das intensive kulturelle Leben der aktuell 18 Köpfe zählenden Vereinigung liefert eine Chronik, die Doris und Manfred Hoppert, Gabi Helmholz, Andrea Reschke sowie Christiane und Achim Buchheister zum 20-jährigen Bestehen des Chors erstellt hatten.

Tanja Ohm, Dana Röhr, Doris Hoppert und Christiane Buchheister
Tanja Ohm, Dana Röhr, Doris Hoppert und Christiane Buchheister

Darin erinnern die Autoren an die Gründung 1988 in der Gaststätte „Zur Allerquelle“. Kerstin Kunert, Angelika Adomeit, Viola Michael und Gabi Helmholz machten sich als Gründungsmitglieder Gedanken, wer soll Chorleiter sein. Ihr Favorit war Heinz-Joachim Buchheister aus Seehausen, der bereits den hiesigen Männerchor leitete. Buchheister sagte zu. So gab es im Dezember 1988 den ersten Chorabend in der Allerquelle. Fasziniert vom Gesang war Gaststättenleiterin Lori Ohm. Sie schloss sich den Sangesschwestern an und ist heute mit 83 Jahren das älteste Mitglied. Mehr noch: „Sie ist die Sängerin, die alle Texte auswendig kennt“, erzählt Dana Röhr, „wenn jemand textlich hängt, schaut er einfach Lori auf die Lippen.“

Bewusst verzichteten die Sänger auf eine offizielle Vereinsgründung. Buchheister und seine Damen wollten sich in den letzten Jahren der DDR nicht dem Diktat aus der Kulturabteilung des Rates des Kreises unterwerfen. Er sagte seinerzeit: „Wir wollen uns nicht abhängig machen, sondern selbst entscheiden, wann und wo wir auftreten beziehungsweise welches Liedgut wir pflegen.“ Eggenstedts damalige Bürgermeisterin Angelika Hotopp organisierte dem Chor einen Proberaum im Kindergarten. 

„Egal wo wir auftreten, wir sind überall gern gesehene Gäste“, sagt Gabi Helmholz. Es ist nicht immer die große Bühne, die für die Sängerinnen die Welt bedeutet. Oft sind es die kleinen Auftritte in Altenheimen, bei der Lebenshilfe, bei Hochzeiten, Jubiläen oder an Geburtstagen - die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. „Mitglieder und Freunde des Chores bekommen zu besonderen Anlässen ein personenbezogenes Lied“, erklärt Dana Röhr. Sie teilt sich die Vorstandsarbeit mit Doris Hoppert und Tanja Ohm. Abwechselnd begleiten die drei Damen den Gesang mit der Gitarre oder im Fall von Doris Hoppert per Akkordeon.

 

Als Chorleiterin hat Dana Röhr vor drei Jahren ein schweres Erbe angetreten. Der plötzliche und unerwarteten Tod von Achim Buchheister 2017 war ein schwerer Schlag für die Sängerinnen. „Er war nicht nur der Chef, sondern für alle ein bester Freund, der die Menschen mit seinem Frohsinn anstecken konnte“, erzählt Gabi Helmholz. Buchheister begrüßte seine Sängerinnen häufig mit den Worten: „Mädels, heute machen wir etwas ganz Verrücktes.“ Und immer hielt er, was er versprach. Wenn er heimlich die Chorausflüge plante, wussten die Mitfahrer auch unterwegs noch nicht, wohin die Reise geht. Die Sängerinnen sind sich einig: „Achim hat den Chor mit Herz und Seele geführt.“ 


Als sympathisch-musikalischer Zeitgenosse bleibt Achim Buchheister in Erinnerung.
Als sympathisch-musikalischer Zeitgenosse bleibt Achim Buchheister in Erinnerung.

Was bleibt, sind Erinnerungen an unzählige gesellige Höhepunkte bei Faschingsfesten oder legendären Auftritten in der Remkerslebener Kirche. Der gemeinsame Gesang mit dem dortigen Männerchor fußt auf die Freundschaft der ehemaligen Leiter Buchheister und Manfred Lieske, die in jungen Jahren gemeinsam in einer Band musizierten. Unvergessen bleibt der gemeinsame Shanty-Gesang beim dortigen Matjesfest. Zu den bleibenden Erinnerungen zählen auch die karitativen Unternehmungen. Früher sangen die Damen zu Gunsten der Sanierung ihrer Eggenstedter Kirche. In der jüngeren Vergangenheit gab es Auftritte und Kuchenbasar beim heimischen Adventsmarkt. Vom Erlös profitiert die Feuerwehrjugend. Bei der Silberhochzeit von Dana und Oliver Röhr musizierte der Chor in Nonnenkostümen. Vor Corona absolvierte die Vereinigung in jedem Jahr dutzende Höhepunkten in kleinen und großen Rahmen: „Und das soll auch im nächsten Jahr wieder so sein“, meint Dana Röhr. Frei nach dem Liedtext von „Musik ist die schönste Sprache der Welt“: Musik klingt in Dur und in Moll - und alles durch sie neues Leben erhält, an Zauber und Schönheit so voll.

 

 


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