Für euch berichtet Falk Heidel
Mit Grimms „Frau Holle“ startet das Genthiner Amateurtheater in die 55. Spielzeit. Jetzt tourt das Ensemble mit dem Weihnachtsmärchen bis zum 6. Januar durch die Region Jerichower Land und Brandenburg. Hier eine kurze Rezension.
Wenn sich Lampenfieber messen ließe, würde in der Umkleide eine knallrote Rundumleuchte Alarm schlagen. „Ich bin unfassbar nervös“, sagt Antje Krüger, während sie sich in ihr mittelalterliches Outfit wirft: Schürze, Leinenbluse und Kopfhaube. So sahen die Marktfrauen aus in Zeiten als es noch kein TV, kein Handy und nicht mal eine Innentoilette gab. Sie steht zum ersten Mal auf der Theaterbühne, ebenso wie ihre zehnjährige Tochter Alma, die als liebenswerter Gockelhahn über die Bühnenbretter hüpft. Extra für ihn haben die Bühnenbauer einen kleinen Misthaufen erschaffen. Schließlich kräht man ja nicht irgendwo!

Fünf Stunden vor der Premiere bittet Regisseur Frank Zelmanski seine Darsteller zur Durchlaufprobe auf die Bühne in der Aula der Uhland-Grundschule. Im Gegensatz zu den Proben in den vergangenen Wochen ist es ruhig in der Umkleide. Jeder konzentriert sich auf seine Texte. Goldmarie Amelie Heidel sagt: „Jetzt steigt der Puls, ich hab bammel.“ Da tut es gut, dass Erik Anders (verkörpert mit Maximilian Tischmacher die Brote in Frau Holles Backofen) und Mia Darline Wirth mit ihrer lockeren und zugleich hilfreichen Art die Stimmung im Raum auflockern. Mit Alicia Haack und Antje Krüger bildet Mia ein Marktfrauen-Trio, das die Geschehnisse rund um das Haus Krumhälsel genau beobachtet und präzise kommentiert.
Nach Durchlauf- und Generalprobe hebt sich endlich der Vorhang: „Guten Morgen, lieber Gockelhahn“, so eröffnet die Goldmarie das Bühnenschauspiel, nachdem Erzähler Jan-Niklas Bäsler die Kinder auf den Advent eingestimmt hat. Nur wenige Minuten zuvor hatte Rita Wagner noch das goldene Kostüm mit Nadel und Faden veredelt. Regisseur Zelmanski: „Niemand sieht ihre Arbeit, sowohl bei den Vorbereitungen, als auch als Souffleuse. Aber wir alle wissen zu schätzen, was sie hier leistet.“ Gerade eben haben Mandy Tischmacher und Hanna Bessert die Darsteller geschminkt. Theaterleiter Jürgen Wagner musste vormittags noch mal los, weil aufgefallen war, dass es in der Umkleide keinen Spiegel gab.

Gut 50 Minuten später fällt der Vorhang. Minutenlanger Applaus begleitet die Darsteller bei ihren Verbeugungen. „Ich war nach den letzten Proben noch ziemlich skeptisch. Umso mehr bin ich mit der Premierenleistung zufrieden“, sagt Frank Zelmanski. Er hatte in seiner ersten Spielzeit als alleiniger Regisseur im September eine muntere Mischung aus gestandenen Darstellern und jungen Talenten zusammengestellt - und mit ihnen dreimal pro Woche gearbeitet. Kathleen Lemke, Alicia Haack oder Jan Jeschinski gehören zu den tragenden Säulen des Stücks, an denen sich die nicht so erfahrenen Schauspieler orientieren und aufrichten können. Eine ganz besondere Rolle hat Christiane Schwarz übernommen - denn die eigentliche Frau Holle Cornelia Bessert war berufsbedingt bei der Premiere nicht dabei. So ist sie allein für diesen Auftritt eingesprungen. Entdeckung der Saison ist Pechmarie Julia Unglaub (11), die ihren Part mit überraschender Souveränität in Gestik und Stimme auf die Bretter bringt.
Im Premierenpublikum saßen auch ehemalige Darsteller wie Dominik Patté aus Burg oder das Theater-Ehrenmitglied Eckhard Neumann, der Frau Holle vor 36 Jahren mit diesem Theater inszenierte. Seine Frau Uta erkannte eines von den Kleidern der Marktfrauen wieder: „Das habe ich vor vielen Jahren beim Straßentheater getragen.“ Uta Neumann war Jahrzehnte lang als Souffleuse des Theaters tätig, während ihr Eckhard Regie führte.
Insgesamt bringen die Theaterleute Frau Holle siebenmal auf die Bühne. Großes Finale ist traditionell am 6. Januar, wiederum in der Aula der Uhland-Grundschule. Bis dahin dürfte das Lampenfieber ein wenig gesunken sein.
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