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Tucheim: Wie gefährlich ist der Durchgangsverkehr?

Aus Tucheim berichtet Falk Heidel

 

Tucheim im Jerichower Land: Der Durchgangsverkehr ist aktuell das meistdiskutierte Thema im 1100-Einwohner-Dorf. Zu schnelle Autos und zu viele Brummis machen den Einwohnern zu schaffen. Sie fordern Tempo 30 an der Hauptstraße. 

 

Die Bundesstraße 107 durchtrennt den 1060 Jahre alten Ort wie das Messer ein Filetstück. Auf dem Weg zu den Autobahnen 2 und 9 oder in die Gegenrichtung nach Genthin haben es die meisten Autofahrer sehr eilig. „Wir Anwohner merken das am klappernden Porzellan im Wohnzimmerschrank“ erklärt Thomas Wöhling, dessen Hauseingangstür kaum zwei Meter vom Bordstein der Hauptstraße entfernt ist: „Das Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen am Straßenrand ist vor allem für ältere Menschen lebensgefährlich, weil die Kurven für schnelle Fahrer die Weitsicht einschränken.“

Das Thema Durchgangsverkehr keimte kürzlich erst wieder auf, nachdem ein betrunkener Fahrer mit seinem VW gegen eine Hauswand an der Ziesarer Straße geknallt war und das Auto in Flammen stand.

 

Eine defekte Hauswand nach dem Unfall mit einem betrunkenen VW-Fahrer. Foto: Falk Heidel/Alpha-Report
Eine defekte Hauswand nach dem Unfall mit einem betrunkenen VW-Fahrer. Foto: Falk Heidel/Alpha-Report

Während dieser Unfall selbstverschuldet war, gab es im Ort andere Beispiele, die auf zu hoher Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Vor Monaten gab es eine Kollision mit einem Holztransporter. Oder eine Karambolage an der Treppe zur Volksbank-Filiale. Nach dem jüngsten Unfall zeigte sich die Polizei mit einer Geschwindigkeitskontrolle vormittags von 9 bis 12.30 Uhr. Ergebnis: Neun Fahrer wurden geblitzt, der schnellste hatte 83 Stundenkilometer auf dem Tacho. Er wird mit einem Bußgeld in Höhe von 180 Euro zur Kasse gebeten. Aber damit ist das brisante Thema nicht aus der Welt. Rechnet man die Verstöße hoch, fahren täglich mehr als 50 Fahrzeuge zu schnell durch den Ort. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, weil in der Regel viele Fahrer durch das Aufblenden des Gegenverkehrs gewarnt werden. „Abends und nachts ist der Lkw-Verkehr am schlimmsten“, sagt Antje Wöhling, „der Lärm ist für die Anwohner nur schwer zu ertragen.“ Das liegt an der überhöhten Geschwindigkeit der Laster und zum anderen an den Hauswasser-Deckeln auf der Straße, die die Vibrationen deutlich verstärken: „Da wackeln die Hauswände.“

Daher fordern die Tucheimer eine Tempo-30-Zone im Ort. Einen entsprechenden Vorstoß gab es bereits durch den Ortschaftsrat. Allerdings von den Behörden abgelehnt mit dem Verweis, es handele sich um eine Bundesstraße. Für Thomas Wöhling nicht nachvollziehbar: „Solche Geschwindigkeitsbegrenzungen an der B107 gibt es doch auch in Havelberg und Schönhausen. Warum ist das in Tucheim nicht möglich?“ Er macht zur Begründung eine ganz einfache Rechnung auf: „Wer mit Tempo 50 durch das Dorf fährt, benötigt genau vier Minuten, bei Tempo 30 sind es fünf Minuten. Also wo ist das Problem?“

Und noch eine Tatsache beschäftigt die Tucheimer. Ein Abschnitt des Bürgersteigs ist nur einen Meter breit. Der Lenker eines Kinderfahrrads misst 60 Zentimeter. Da ist wenig Spielraum zwischen den riesigen Brummis und Kindern oder Senioren auf diesem Gehweg. Thomas Wöhling: „Wir alle hoffen, dass nicht erst ein schwerer Unfall mit Kindern passiert, bevor die zuständigen Ämter aufwachen.“

 

 

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