Für euch berichtet Falk Heidel
Das 800-Einwohner-Dorf Parchen wird märchenhaft: An acht Stationen im Ort werden demnächst massive Eichenholz-Bänke stehen, verziert mit großen Märchenmotiven und versehen mit QR-Codes, die das jeweilige Märchen erzählen und musikalisch umrahmen.
Märchen begleiten uns seit vielen Generationen. Da setzen die Eltern von Hänsel und Gretel ihre Kinder im dunklen Wald aus oder lässt die Stiefmutter von Goldmarie das Mädchen in einen Brunnen springen, um die Spindel-Spule aus dem Wasser zu holen. Bis zum guten Ende müssen die Märchenfiguren diverse Abenteuer überstehen. Warum nicht ein ganzes Dorf zum Märchenland gestalten?, dachte sich die Mitglieder des Parchener Heimatvereins. Mit Hilfe des Förderprogramms namens „Miteinander - für ein lebenswertes Quartier“ setzt der Verein aktuell ein in der Region einzigartiges Projekt um: Den Parchener Märchenpfad.
„Märchen sind Teil unserer Kindheit und oft mit positiven Erinnerungen verbunden“, erzählt Vereinsvorsitzender Michael Karbe.
Eintauchen können die Parchener und ihre Besucher in die faszinierenden Fantasiewelten zwischen Schneewittchen und Rumpelstilzchen auf besondere Weise. An acht Punkten entlang des Märchenpfades durch das Dorf laden kunstvoll geschnitzte Eichenholz-Bänke zum Verweilen ein. Kostenpunkt, um die 1000 Euro pro Stück. Noch stehen sie nicht an Ort und Stelle, doch sechs Bänke sind bereits fertiggestellt und warten in der Klapperhalle auf den Transport zu ihrem jeweiligen Standort. Beispielsweise wird die Hänsel-und-Gretel-Bank vor den Neubauten an der Friedenstraße ihren Platz finden - Punkt eins des Märchenpfads. Ein großes, kunstvoll geschnitztes Schild an der Bundesstraße 1 erklärt den Besuchern die Standorte des dörflichen Märchenpfades. Eine der acht Bänke hat kein Märchen zum Thema, sondern die Sage vom Goldenen Ritter mit Bezug zum Parchener Schloss. Genau dort wird die Ritter-Bank auch ihren Platz finden.
Wer auf einer der Bänke Platz nimmt, kann sich das Märchen per QR-Code erzählen lassen. Allesamt ausgesucht von den Kindern der Parkspatzen-Kita. Sie haben auch passende Lieder zu den Geschichten eingesungen, begleitete von Musiker Michael Vajner. Märchenerzählerin ist Jutta Radde.

Hergestellt und mit den fast lebensgroßen Figuren veredelt hat die Bänke Christian Curth, ein Artist mit der Kettensäge aus Mansfeld-Südharz, der als Holzkunst-Loki firmiert. Auf die Frage, wie lange es dauert, eine Figur mit der Säge zu schnitzen, sagte er: „Der Fischer ist an einem Nachmittag entstanden.“
Frau Holle wird künftig an der Mühlenstraße ihren Platz finden, Rumpelstilzchen an der Feuerwehr und Schneewittchen am Puhl in der Steinstraße, um einige Beispiele zu nennen. „Mein Lieblingsmotiv ist der Goldene Ritter“, erzählt Heimatvereinsmitglied Anne Heitzmann. Der Verein hat den Märchenpfad ins Leben gerufen, um Natur, Kultur und Gemeinschaft auf einzigartige Weise miteinander zu verbinden. Seit mehr als 30 Jahren kurbeln gut 50 Vereinsmitglieder das kulturelle Leben im Dorf an. Zu den wichtigsten Events zählen das Pfingstfest an der Mühle sowie Erntedankfest und Weihnachtsmarkt.
Die Sage vom Goldenen Ritter zu Parchen
Die Leute erzählen sich, dass bei der Einführung des Christentums im Kampf zwischen den Deutschen und Slawen ein Mönch umgekommen sei. Beerdigt wurde er in einem goldenen Sarg auf dem Hiljenberg (heiliger Berg). Dieser Ort befindet sich dicht am Nordrand des Ortes, östlich des Parchener Mühlenbachs - dort, wo heute das Schulgebäude steht. Wieder andere Leute erzählen sich, dass der Begrabene kein Mönch, sondern ein Ritter gewesen sei, der auf dem Hiljenberg mit einer goldenen Rüstung und einem goldenen Schwert bestattet wurde.
Eine weitere Erzählung handelt vom Parchener Gutsherrn von Byern, der dort vor vielen Jahren nachgegraben, aber nichts gefunden habe. Gut möglich, dass der goldene Ritter noch immer in seinem Grab über die Menschen in seiner Heimat wacht.
Neu erzählt (2025) von Falk Heidel nach mündlicher Überlieferung H. Stahn,
Sagen aus dem Elbe-Havel-Winkel, Genthin 1924
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