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Alles digital? Oder lieber nicht?

Der nächste Schritt der Evolution geht in die digitale Welt! Wir stecken im Wandel vom Aktenordner zum elektonischen Dokument, vom Bleistift zum Touchscreen. Doch dieser Schritt ist aufwändig, zeitraubend und teuer. Richtig teuer. Die Kosten für den vollständigen Breitband-Ausbau im Jerichower Land beziffert Landrat Steffen Burchhardt (SPD) auf 200 Millionen Euro. Wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird, vermag niemand zu prophezeien.
Ein entscheidender Schritt in die elektronische Welt dieser ländlichen Region ist die Gründung des „Regionalen Digitalisierungszentrums Jerichower Land“.
Als Pilotprojekt für das Jerichower Land erhält das Technologie- und Gründerzentrum für zwei Jahre eine Förderung durch das Magdeburger Wirtschafts-Ministerium.
TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke sagte bei der Übergabe am Mittwoch in Genthin: "Wir werden den Digitalisierungsprozesses im Landkreis voranbringen. Begleiten wollen wir unter anderem Unternehmen, Schulen, Gemeinden, Vereine und Verwaltung. Die Digitalisierung mit ihren Chancen und Herausforderungen steht dabei im Mittelpunkt. Wir werden vorhandene Aktivitäten und Strukturen bündeln und in Zusammenarbeit mit starken Partnern fortsetzen."
Fördermittelübergabe in Genthin mit (von links) Landrat Steffen Burchhardt, Staatssekretär Thomas Wünsch, Henning Gehm, Bürgermeister Matthias Günther, TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke, Gernot Kerl (Sibau), Schülerin Emma Hold und Florian Herth von TCS.
Fördermittelübergabe in Genthin mit (von links) Landrat Steffen Burchhardt, Staatssekretär Thomas Wünsch, Henning Gehm, Bürgermeister Matthias Günther, TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke, Gernot Kerl (Sibau), Schülerin Emma Hold und Florian Herth von TCS.
Die Arbeit des Zentrums im TGZ soll Heinke zufolge auf drei Säulen stehen. Wirtschaft (Fachkräfte und Geschäftsmodelle), öffentliche Verwaltung (bürgernahe Anwendungen und Service) sowie digitale Bildung. Hier plant das TGZ zwei „Digitale Jugendcamps“. Unter dem Motto „Du und dein Roboter“ bekommt die Jugend Einblicke in Robotik, Programmierung, Sozial Media und digitale Berufe. Das erste Digi-Camp findet vom 29. Juli bis 2. August in der Touristenstation in Ferchland statt.

Die meistgenutzte Vokabel war bei der Fördermittelübergabe in den Räumer der TürControlSysteme (TCS) das Wort "Herausforderung". Das liefert einen dezenten Hinweis, wie viele Lichtjahre wir noch von der kompletten Umsetzung entfernt sind. TCS-Geschäftsführer Florian Herth nannte das Ziel des Bundes 2015 "sehr ambitioniert. Er sagte: "Unser Unternehmen ist seit 15 Jahren digital. Unsere aktuellen Herausforderungen sind die digitale Vernetzung bis hin zum Kunden sowie die Aquise von Fachkräften."  Dazu gehört aus seiner Sicht auch eine gewisse Attraktivität des Firmenstandorts für Beschäftigte. TCS ist ein global agierendes Unternehmen für innovative Gebäudesystemtechnik (Türsprech- und Videoanlagen sowie für Kontroll- und Sicherheitslösungen rund um den Eingang). Die Firma zählt heute 140 Mitarbeiter allein am Standort Genthin. Im TGZ-Gebäude begann die Firmengeschichte 1995 als StartUp.

Ähnlich wie Herth sieht es Sibau-Geschäftsführer Gernot Kerl: "Gut ausgebildete Fachkräfte nutzen oft die Standortvorteile der Großstadt." Sein Unternehmen steht ebenfalls auf dem Sprungbrett in die digitale Zeit: "Noch immer laufen zu viele Prozesse in analoger Form ab. Es muss noch viel passieren, dass wir uns die Lkw-Ladungen an Papier sparen können." Und: "Wir nutzen Förderprogramme und arbeiten mit Hochschulen zusammen, um unsere Abläufe digital umzustellen."
Neues mit klassischen Elementen an Schulen verknüpfen
Die Digitalisierungs-Problematik gibt es auch an unseren Schulen: "Nicht jeder Lehrer kann uns die digitalen Möglichkeiten erklären", berichtet die elfjährige Gymnasiastin Emma Hold. Aber auch sie plädiert nicht für einen ausschließlich digitalen Alltag an ihrer Schule: "Es ist nicht falsch, wenn wir auch weiterhin Stift und Papier nutzen."
 
Landrat Steffen Burchhardt sieht die Schulen in seinem Landkreis auf einem guten Weg: "Mit einem angemessenen digitalen Anteil am Unterricht sollten wir die klassischen Elemente nicht verlieren." Zudem befürwortet er Standards für alle Schulen: "Es darf für einen Schüler keinen Unterschied machen, ob er in Gommern oder Genthin unterrichtet wird."
Als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium übergab Thomas Wünsch die 170.000-Euro-Förderung an Elisa Heinke. Wünsch zufolge novelliert das Ministerium derzeit die Fördergrundsätze für die Digitalisierung. Priorität werde das Glasfasernetz haben. Gefördert werde bis an die Haustür. Zum Thema Bildung sagte Wünsch: "Es ist nicht unser Ziel, die Schulen komplett zu digitalisieren. Es geht unter anderem auch darum, die Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Medien zu schulen."
Das Wort "Herausforderung" nutzte auch Genthins Bürgermeister Matthias Günther: "Als nächstes steht das mobile 5G-Netz auf der Agenda." Ungelöst ist für ihn zudem das Thema Datenspeicherung für kommunalen Verwaltungen: "Eine private Cloud kann nicht die Lösung sein."
Noch so eine Herausforderung!

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